Kopenhagen – und jetzt?
Nachrichten vom anderen Gipfel
“System change – not climate change”
In Kopenhagen gab es im Dezember 2009 nicht nur COP 15, den Klima-Gipfel, der allerseits für Frustration und Enttäuschung gesorgt hat. Gleichzeitig fand ein auch ein Gipfel des Volkes statt (“A Peoples’ Summit”), der für alle zugänglich war. Tausende von Menschen aus der ganzen Welt diskutierten auf diesem Klimaforum miteinander, zwölf Tage lang hörten und hielten sie Vorträge, vernetzten sich, planten gemeinsame Aktionen. Im Gegensatz zu COP 15 gab es hier ein Ergebnis. Die Lösung für den Klimawandel liegt auf dem Tisch. Formuliert wurde sie in einer Deklaration, die von 295 Organisationen aus allen Erdteilen unterzeichnet wurde (Stand Dezember 2009).
Kernaussage dieser Deklaration ist, dass man die Lösungen für den Klimawandels nicht dem System überlassen darf, das ihn verursacht hat: System change – not climate change. Das Feilschen um irgendwelche Prozentzahlen und irgendwelche Jahreszahlen auf dem COP 15 bleibt eine Farce, solange das Problem nicht an der Wurzel angegangen wird.
Der Handel mit Verschmutzungsrechten fördert das emsige Hin- und Herschieben von Emissionen, nicht ihre Reduktion. Anstatt klare Grenzen für ihren CO²Ausstoß zu bekommen,
können große Verschmutzer ihre Einsparungen billig in Entwicklungsländern vornehmen. An den Strukturen der Ungleichheit wird dabei nicht gerüttelt. Statt die Wurzel zu behandeln, wird Zahnweiß aufgetragen. Genau die Interessengruppen, die bisher Geld mit der Ausbeutung von natürlichen Ressourcen und Menschen verdient haben, betreiben nun “Klimaschutz” nach dem gleichen Rezept und füllen sich damit die Taschen. Die Beispiele für die Verheerungen, die vermeintliche “Nachhaltigkeit” weltweit anrichtet, sind endlos: Regenwälder werden abgeholzt, um Pflanzen für “Bio-Sprit” anzubauen, Menschen werden für den Bau von “sauberen” Kohlekraftwerken oder Windkraftanlagen von ihrem Land vertrieben, und so weiter.
All diesen Beispielen liegt ein gemeinsames Muster zugrunde: wirtschaftliches Wachstum wird geplant, ohne auf die Bedürfnisse der betroffenen Menschen oder Öko-Systeme Rücksicht zu nehmen; Entscheidungen werden von denen gefällt, die sowieso schon an der Macht sind; Profit wird von denen gemacht, die sowieso schon reich sind.
Das wird auch weiterhin so bleiben, wenn die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nicht geändert werden. Klimawandel ist nicht nur ein Umweltproblem, er ist eine soziale Herausforderung.
Darum fordern die 295 Organisationen unter anderem:
- den kompletten Verzicht auf fossile Energien in den nächsten dreißig Jahren
- den sofortigen Stopp der Abholzung von Urwäldern
- die Anerkennung der Klimaschuld, in der Industrienationen gegenüber den Entwicklungsländer stehen, die Zahlung von Reparation für den Schaden, den der Klimawandel in den betroffenen Ländern anrichtet, und vor allem
- Demokratische Eigentumsverhältnisse und demokratische Kontrolle der Wirtschaft.
Die Botschaft von Kopenhagen ist nicht Frustration sondern Aufbruch.
Die Lösungen existieren. Es ist an uns, sie voranzutreiben.
Die globale Bewegung, die wir dazu brauchen, existiert schon. Unzählige Menschen haben sich in Kopenhagen kennengelernt, hunderte von Organisationen haben sich miteinander vernetzt.
Wir werden immer mehr.
Bist du dabei?
Die vollständigen Kritikpunkte und Lösungsansätze der Deklaration findest du auf der Homepage des Klimaforums.

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