Braunkohle und Klima

Sieben Glaubenssätze, die wir aus unserem Weltbild streichen können:

Im Folgenden kannst du nachlesen, wieso genau Braunkohle ein Schwerpunkt unseres Klimacamps ist. Aufgelistet und widerlegt haben wir folgende sieben Phrasen:

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  1. Wir können gleichzeitig Braunkohle nutzen und den Klimawandel bewältigen.
  2. Es gibt neue, ‘saubere’ Braunkohlekraftwerke.
  3. CCS ist eine Technik, mit der sich der CO2 Ausstoß schon in den Griff kriegen lässt.
  4. Braunkohle ist eine kostengünstige Energiequelle.
  5. Enteignung – das gibt’s nur bei den Kommunisten.
  6. Es gibt keine Alternativen.
  7. Wir können sowieso nichts dran ändern.

1. Wir können gleichzeitig Braunkohle nutzen und den Klimawandel bewältigen.

Braunkohle ist Klimaschädling erster Kategorie. Pro Tonne verfeuerter Braunkohle wird eine Tonne des Treibhausgases CO2 freigesetzt. Selbst andere fossile Energieträger wie Steinkohle oder Erdgas haben eine bessere Bilanz. Allein die Braunkohle, die im Tagebau Garzweiler II abgebaut wird, ist für 40 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr verantwortlich. Das entspricht 5% der bundesdeutschen Treibhausgasemissionen, oder dem gesamten jährlichen CO2-Ausstoß Finnlands.
Um die schlimmstmöglichen Szenarien für den Klimawandel zu verhindern, müssen unsere Emissionen sinken. So schnell wie möglich. Wenn Vattenfall und RWE jedoch ihre Pläne für den Neubau von Kohlekraftwerken weiterhin vorantreiben, wird Deutschland sein Klimaziel nicht erreichen können.

2. Es gibt neue, ‘saubere’ Braunkohlekraftwerke.

Braunkohlekraftwerke sind und bleiben Klimaschädlinge. Pro Kilowattstunde Strom, den sie erzeugen, setzen sie fast ein Kilogramm CO2 frei, also fast doppelt soviel wie Erdgaskraftwerk. RWE verspricht, den CO2 Ausstoß durch den Neubau von hocheffizienten Kraftwerken zu verringern. Tatsächlich haben die neuen Kraftwerke einen besseren Wirkungsgrad. Doch selbst wenn aus einer Tonne Kohle nun mehr Strom erzeugt werden kann als vorher: aus dem Schornstein kommt immer noch die gleiche Tonne CO2. Der einzige Weg, Emissionen zu senken, ist: weniger Kohle abbauen, weniger Kohle verfeuern. Das Gegenteil ist der Fall. Die neuen Braunkohleblöcke haben eine viel größere Kapazität als die alten Anlagen. Der CO2 Ausstoß wird absolut gesehen also nicht sinken.

3. CCS ist eine Technik, mit der sich der CO2 Ausstoß schon in den Griff kriegen lässt.

Die CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) sieht vor, dass CO2 in der Abluft getrennt und dann in Gesteinsschichten unter der Erdoberfläche verpresst wird. Eine flächendeckende Umsetzung dieser Technik ist jedoch immer noch Zukunftsmusik. Außerdem würde das Verfahren selbst den Verbrauch fossiler Ressourcen massiv in die Höhe treiben, weil dabei erhebliche Mengen an Energie verbraucht werden. Der ohnehin klägliche Wirkungsgrad von Braunkohle würde dadurch noch geringer ausfallen. Welche Risiken das in die Erde gepresste Kohlendioxid birgt, kann niemand abschätzen.

4. Braunkohle ist eine kostengünstige Energiequelle.

Braunkohle brauche keine Subventionen, heißt es. Doch laut einer Studie, die im Auftrag des Umweltbundesamt durchgeführt wurde, greift der Staat auf indirektem Weg dem Braunkohleabbau massiv unter die Arme: durch Steuervergünstigung, verbilligte Ressourcennutzung (z. B. Wasser) oder durch die Finanzierung der nötigen Infrastruktur für Braunkohlekraftwerke durch die öffentliche Hand. Die Begünstigungen, die der Staat dem Braunkohleabbau gewährt, belaufen sich auf etwa 960 Millionen Euro pro Jahr. Wenn gesagt wird, dass der aus Braunkohle gewonnene Strom billig sei, dann hat jemand die Rechnung ohne die externen Kosten gemacht: das heißt, ohne die Kosten, die der Gesellschaft durch Umwelt- und Gesundheitsschäden entstehen. Der Schaden, den die Verbrennung von Braunkohle anrichtet, wird auf etwas 3,5 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.

Jeder private Haushalt muss eine Gebühr dafür bezahlen, dass er seinen Müll auf die Straße setzen darf. Treibhausgase in die Atmosphäre zu blasen, ist merkwürdigerweise steuerfrei. Würden die Verursacher von CO2 endlich mit den Kosten belastet, die durch den Klimawandel entstehen, wäre Braunkohle nicht mehr wettbewerbsfähig.

5. Enteignung – das gibt’s nur bei den Kommunisten.

Laut Paragraph 14 des Grundgesetzes ist Enteignung zum Wohle der Allgemeinheit möglich. Kraft dieses Gesetzes haben in den letzten 50 Jahren haben mehr als 30.000 Menschen ihre Heimat durch den Braunkohle-Abbau verloren. Allein für die Realisierung von Garzweiler II müssten 7.600 Menschen in 11 Dörfern enteignet werden. Sie werden dafür entschädigt – aber kann man den Verlust von Wurzeln, Erinnerungen und Lebenswerk in Geld aufwiegen?
Das Wohl der Allgemeinheit wird in dem Zusammenhang so definiert:

  • Dörfer mit einer teils 1000jährigen Geschichte werden “umgesiedelt”.
  • Uralte Waldgebiete und geschützte Ökosysteme werden zerstört und bei zukünftigen Rekultivierungsmaßnahmen durch irgendwelche Bäumlein ersetzt.
  • Durch den Tagebaubetrieb sinkt das Grundwasser. Wichtigen Trinkwasserreserven wird ein irreparabler Schaden zugefügt.
  • Der Gesellschaft entstehen durch die Nutzung von Braunkohle Kosten in Milliardenhöhe (siehe oben)
  • Zu allem Überfluss wird Braunkohle wird nicht oder nur kaum besteuert.

6. Es gibt keine Alternativen.

Glaubst du wirklich, eine Zivilisation, die auf den Mond fliegen kann, würde es nicht schaffen, eine Energieversorgung aus regenerativen Quellen aufzubauen? Die Technologien für das post-fossile Zeitalter stehen bereit. Es fehlt jedoch an politischem Willen, diese konsequent durch- und einzusetzen.

7. Wir können sowieso nichts dran ändern.

Zahlreiche Bürgerintitiativen und Nichtregierungsorganisationen protestierten gegen den Bau eines neuen Kohlekraftwerkes in Berlin-Lichtenberg: mit Erfolg. Im Januar 2009 gab der Stromkonzern Vattenfall seine Pläne für das Projekt auf.
Im Oktober vergangenen Jahres verschob E.ON den Neubau eines Kohlekraftwerkes in Kingsnorth, Großbritannien, auf unbestimmte Zeit. Auch hier hatte es im Vorfeld des Bauvorhabens eine breite Kampagne gegen das Bauvorhaben gegeben.
Im schottischen Mainshill Woods besetzen zur Zeit Klimaschützer, Gruppen aus Entwicklungländern und Anwohner ein Gebiet, in dem große Mengen an Kohle ausgehoben werden sollen.
Die Steine sind ins Rollen geraten.
Was wird aus Garzweiler?

Quellen:

Der globale Countdown. Finanzcrash, Wirtschaftskollaps, Klimawandel. Harald Schumann/Christiane Grefe. Kiepenheuer und Witsch, Köln 2008; S. 237-263

www. bund-nrw.de/themen_und_projekte/braunkohle

www.greenpeace.de/themen/energie/fossile_energien/artikel/braunkohle_gift_fürs_klima

www.umweltbundesamt. de/uba-info-presse/2004/pd04-095